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27.08.2014

Spanier wagen Neuanfang als Altenpfleger

Artikel aus der Glocke


Start ins Berufsleben: (hinten v. l.) Treffpunkt-Pflege-Inhaber Ansgar Gierth, die Spanierin Sheila Vicente Cabaneios, Anna Funk (Treffpunkt Pflege) sowie (vorne v. l.) der Spanier Fabian Doniz Estévez, zwei Bewohner der Rietberger Hausgemeinschaft und der Spanier Jusay Pére Lopez

Und zwar mit einer Ausbildung zum Altenpfleger bei der Treffpunkt Pflege GmbH. Die Gründe für diesen Schritt sind bei allen ähnlich: Die 27-jährige Sheila Vicente Cabaneios kommt aus einer Stadt nahe Madrid. In ihrem Job als Buchhalterin habe sie täglich 13 Stunden und mehr schuften müssen, der Druck sei enorm gewesen. „Ich war nur noch gestresst, das hat mir gesundheitlich sehr geschadet.“

Fabian Doniz Estévez (22) ist bereits gelernter Altenpfleger, er hat auf Teneriffa gelebt. Die Arbeitsbedingungen in seinem Heimatland seien sehr schlecht gewesen, sagt er. Das geht dem 25-jährigen Jusay Pére Lopez ähnlich. Er hat vorher als Sanitäter in einer Ambulanz gearbeitet. Alle drei versprechen sich viel von Deutschland und ihrem künftigen Arbeitsplatz.

Dass sich die drei Neu-Rietberger schnell eingewöhnen, dafür wollen Treffpunkt-Pflege-Inhaber Ansgar Gierth und seine Mitarbeiterin Anna Funk sorgen. Ihre Grundkenntnisse der deutschen Sprache werden die Spanier im Rahmen eines Sprachkurses vertiefen. Untergebracht sind sie derzeit noch einzeln in privaten Gastfamilien. Doch das soll sich bald ändern. Gierth hat ein Haus in Rietberg angemietet, das er den Dreien als Wohngemeinschaft zur Verfügung stellt. Derzeit packen alle beim Renovieren mit an.

Die Ausbildung beginnt am 1. Oktober. In seiner Einrichtung verdiene ein Auszubildender im ersten Lehrjahr 1200 Euro brutto pro Monat. „Damit liegen wir weit über dem Tarif“, sagt Gierth. Noch habe er generell keine massiven Probleme, geeignete Mitarbeiter zu bekommen. Das war also nicht der Hauptgrund dafür, den jungen Menschen aus Spanien eine Chance zu geben.

Gierth hat ganz andere Pläne: Er beabsichtigt, in den nächsten Jahren eine Hausgemeinschaft für Senioren in Spanien zu gründen. Wo und wann genau das passieren soll, steht noch nicht fest. Aber natürlich wird Ansgar Gierth dann davon profitieren, drei Spanier in seinem Team zu haben. „Wer weiß, vielleicht hat einer meiner drei neuen Mitarbeiter später Lust, in die Heimat zurückzukehren und in unserem Haus in Spanien zu arbeiten“, mutmaßt der Geschäftsführer.

Die drei jungen Leute aus Spanien sind im Rahmen des Projekts „Job of my Life“ nach Deutschland gekommen. Die Initiative wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit angeboten. „Wir haben uns im vergangenen Jahr dort angemeldet, und nun hat es geklappt“, sagt der Treffpunkt-Pflege-Chef Ansgar Gierth.

2009 gestartet, unterhält das Unternehmen inzwischen 17 Wohnhäuser für Senioren. 280 Mitarbeiter und 60 Auszubildende sind bei dem Rietberger Unternehmen beschäftigt. Gierth legt nach eigenen Angaben Wert auf eine familiäre Atmosphäre, kleine Hausgemeinschaften mit höchstens 18 Bewohnern und individuelle Pflege. Sein Motto: Weg von der funktionalen Pflege, hin zum Menschen. Dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) sein Unternehmen jüngst mit „sehr gut“ bewertet habe, freue ihn sehr.

Auf die Frage, ob die Pflege für Bewohner bei ihm teurer sei als bei anderen Anbietern, verneint Gierth. Er könne bessere Bedingungen für teilweise weniger Geld anbieten, weil es bei ihm weder einen „Verwaltungs-Wasserkopf“ noch einen Träger gebe, der Geld verdienen wolle."

 

Die Glocke - Nina Tiermann